Flotte Kugel - Historie

Ein Jubiläum gibt immer einen Anlass auf vergangene Jahre zurück zu blicken. Auf dieser Seite erfahren Sie mehr über das karnevalistische Treiben in Sundern und der Umgebung, die Geschichte der Flotten Kugel und ihrer Veranstaltungen. Hier aufgeführt sind einige Berichte aus der Festschrift 'Karneval in Sundern' welche anläßlich des 25 jährigen Bestehen der Flotten Kugel Sundern verfasst wurde.

Fastnachtsbrauchtum im Bereich der heutigen Stadt Sundern

Karnevalsfeiern in den zwanziger Jahren

Die Gründung der Flotten Kugel

Umzug ins Kolpinghaus Sundern

Veranstaltungen in der Schützenhalle

Der Kinderkarnevalszug

Die Sclüsselübergabe

Der Tag der älteren Bürger

Der BWK-Kongress in Sundern

 

Fastnachtsbrauchtum im Bereich der heutigen Stadt Sundern.

Mit der »Schürregaffel« durch die Freiheit Hagen ...

Vom Fastnachtsbrauchtum des Sunderner Ortsteils Hagen berichtet die »Chronik der Freiheit Hagen« (S. 236 ff):

 »In Hagen veranstaltet fast jeder Verein eine kleine Fastnachtsfeier. Am Fastnachtsdienstag besteht noch die Sitte des Würstesammelns. Früher versammelten sich am Sonntag vor Fastnacht alle Burschen des Dorfes in einer der hiesigen Gastwirtschaften, um über den Verlauf des Sammelns zu beraten. Unter ihnen befand sich immer einer, der mit dem Bandoneum oder einem Dudelsack umzugehen verstand. Er mußte dann am Dienstag »die Musik machen« und brauchte deshalb kein Geld zum Fest beisteuern.

Weiterhin wurde einer bestimmt, der die mit bunten Bändern geschmückte »Schürregaffel« tragen mußte, an die die gesammelten Mettwürste gehängt wurden. Die »Schürregaffel« war eine Haselnußstange mit zwei auseinandergehenden Zweigen, mit der man früher, als es noch keine Dreschmaschinen gab, auf der Tenne das Getreidebett aufschüttelte, nachdem man es taktweise mit den damals üblichen Dreschflegeln bearbeitet hatte.  Ein anderer Bursche mußte einen mit Häcksel gefüllten Kartoffelkorb tragen, in den die gesammelten Eier gelegt wurden. (Jeder Bauer besaß früher eine Häckselmaschine, womit Haferstroh und Grummet zu Viehfutter kleingeschnitten wurden.)

Der Vierte trug eine Schnapsflasche mit einem Gläschen bei sich, damit er in jedem Hause einige Schnäpschen eingießen konnte. Der Fünfte mußte sich eine Lederschürze umbinden, die man nebst einer Feuerzange vom Schmied besorgt hatte. Dieser Gruppe folgten alle Burschen des Dorfes und zogen von Haus zu Haus, wobei der Musikant spielte und die andern sangen:

 

»Lüttke, Lüttke Fastennacht,

iek hewe hort, ej härren schlacht,

ej härren säo lekere Wüöste macht,

giet mej aine, giet mej aine,

owwer nit säone ganze kleine!

Lot et Meßken sinken,

bitt midden in diän Schinken,

Lot et Meßken glejen,

bitt midden in de Sejen!

Lot us nit te lange stohn,

vej mait näon Hiusken födder gohn.

Unnerm Aikenbäome,

do legget ne güllende Kräone,

bomett uch Guatt beläohne!«

Darauf bekamen sie dann eine geräucherte Mettwurst. Wer die Schnapsflasche trug, schüttete jetzt jedem anwesenden Familienmitglied ein Schnäpschen aus, während ein anderer die Hausfrau anbettelte: »Mutter, äin Ai!  Mutter, näo äin Ai!« Diese hatte aber vorsorglich die Eier aus den Nestern des Hühnerstalles entfernt, denn auch da versuchte man einige zu holen. Falls junge Mädchen im Hause waren, wurde auch zu einem Tänzchen aufgespielt. Meistens mußten die Mädchen aber erst herbeigesucht werden, denn während des Tanzes wurden sie von kräftigen Burschenhänden gefaßt, und der Schmied trat in Tätigkeit, indem er sie mit der Schmiedezange in die Zehen kniff. Dies geschah allerdings meist recht behutsam.

(In den früheren Jahren war auch das sogenannte »Zehenbeißen« üblich: Am Fastnachtsmontag zogen die Mädchen aus, überfielen einen Burschen und bissen ihn in die große Zehe. Am Dienstag wurden die Mädchen von den Burschen in die große Zehe gebissen.)

Abends, wenn das Würstesammeln beendet war, trank man noch einige Gläschen Bier, bis der Wirt das Essen fertig hatte. Er kochte die gesammelten Mettwürste in einem großen Viehtopf, den man damals meist noch in der Küche stehen hatte. Dazu gab es Kartoffelpüree mit Sauerkraut. Nach dem Essen wurde gemeinsam noch ein Fäßchen Bier gekauft und mit dem Wirt abgerechnet. Mitternacht gingen alle, die meisten stark angeheitert, nach Hause.

Auch während der beiden Weltkriege unterblieb das Würstesammeln nicht. Die Mädchen machten dann am folgenden Sonntag für jeden Soldaten aus dem Dorf ein Päckchen fertig, in das außer einer geräucherten Mettwurst noch etwas Gebäck kam, für das man Eier, Zucker und Mehl gesammelt hatte.

Am Aschermittwoch ging jeder zur hl. Messe, um sich das Aschenkreuz zu holen. Anschließend wurde die »Fastnacht beerdigt«. Ein alter Mann erzählte Clemens Schnell etwa 1920 darüber folgendes: »Nach der Messe gingen wir in den Krämerladen, kauften einen Salzhering und hingen ihn an einem Bindfaden um den Hals. Dann fertigten wir eine Strohpuppe, die Fastnacht, an, luden sie auf eine Karre und zogen sie mit traurigen Gesichtern durchs Dorf. Auf einer Wiese oberhalb des Dorfes wurde die Puppe dann beerdigt, verbrannt oder auch wohl in der Sorpe ertränkt. Bei dem Umzug sangen wir dann:

 

»Miserere,

stoppet ne in de Eere,

do legget all mehre.

Vej dehn sejn Fell versiüpen,

niu lot us int Külter kriüpen,

to Äostem wejer op äis stohn

un dann nom Poskefuier gohn!«

 Einer »spielte« dabei den Pfarrer, ein anderer den Küster. Zuletzt tauchte der »Küster« dann einen Reiserbesen ins Wasser und der »Pastor« besprengte damit die Puppe und die anwesenden Burschen. Bei einem unter dem Pfarrer Wenniges abgehaltenen Sendgericht ist dieses Treiben wegen Verächtlichmachung der Religion verboten worden.

Das Lied, das zur »Lütken Fastnacht« in Sundern gesungen wurde, ist dem Hagener Text sehr ähnlich (vgl.  Chronik der Freiheit Sundern, S. 94/95).

 Sie können es sich hier anschauen: PDF-Dokument: Lied_Lüttke_Fastnacht.pdf, 53 kB.

 

 

Karnevalsfeiern in den Zwanziger Jahren

                                    Veranstaltungen im Saale Becker-Jostes...

Große Fastnachtsumzüge sind in den Jahren nach dem ersten Weltkrieg in Sundern nicht durchgeführt worden. Das Karnevalstreiben beschränkte sich auf spezielle Feiern der einzelnen Vereine. So stand im Central-Volksblatt vom 18.  Februar 1928 (Original: Stadtarchiv Arnsberg) folgende Meldung:

Fastnachtsfeier des Gesangvereins »Cäcilia«. Am Fastnachts-Dienstag, dem 21. Februar, nachmittags 3.59 Uhr, veranstaltet der Gesangverein »Cäcilia« im Vereinslokal Becker-Jostes nur für seine Mitglieder und Ehrenmitglieder und deren Angehörigen eine karnevalistische Fastnachtsfeier mit reichlichem und überraschendem Programm. Vor 12 Uhr wird Schluß sein. Es geht also nicht in den Aschermittwochmorgen hinein!

Bei diesen Vereinsfeiern wurden in der Regel ortsbezogene Vorfälle behandelt und in humorvoller Weise vorgetragen. In diesem Zusammenhang dürfte auch

,De Fastlowendgeschichte’

 eine Rolle gespielt haben, die ebenfalls im Central-Volksblatt vom 18. Februar 1928 (Original: Stadtarchiv Arnsberg) abgedruckt worden ist. Sie hatte folgenden Wortlaut:

Im Draibritzeljohr (1888), op Faslowend, harre use Bleß'n Kälvken kriän. Iät was säon schoin un strack Oesken, dät sai met Recht stolz drob seyn konn, ower dr Bleß iähr Gemölke was nit grötter, därret wouahl in meyn Käpken genk. Ik genk bey se un sagte: »Bleß, schiämeste dik nit?« Se käik mik an un brummere, är wöllse seggen:  »Geduld, lot mik souargen. « Doch geflott: Nuier un Milk kräig se nit. Niu was Holland in Näout. Dabey was de Kalverhandel gans miserabel schlecht. Meyne Mömme un ik leten us de Sake gründlech düör de Köppe gohn, ärre genjet ümmen Küninkreyk. Endlech was et Ultimatum: Kasper bränjert Oesken no Arnspreg un versilweret. Dät genk mi 'n bittken giegen de Hoor, denn dai Kasper was kain anderer, är ik selver.

Meyn Hiäte hänk stark amme Häime, ne Stadt harr ik näou nit sain, un niu blitzplötzlech säou ne Weltraise! - De Mömme laiert an guren Lehren un me guren, gräouten Omese (Friätebuil) nit fehlen; un froih, am andern Mouaren, stak ik diäm Kälvken meynen Kopp twiäs unnerm Balge hiär, schäouv en kräftegen Lichteknüppel üawer de rechte Schuller, un dann genget los no dr Stadt. Im iästen Douarpe stond ne Giänebeck opm Hiussülle, jiäwere düchteg un saggte tau mey:  »Junge, diu hiäse gewiß nit all beäin?«  »Näi, met twäin foiert use Vahr Mist, un dai andem stott im Stalle, « was meyne Antwoort.

Ouowen opm Arnsperger Wolle satt ik meyne Last mol af. Meyn Puckel was häit är ne glögenen Backouwen, un schwäiten dä ek äme Bär. Diäshalwen sollt Deyerken Geliägenheit heven taum läoupen. Iät harret ower gar nit eyleg, lait sik trecken, schiuwen un dröggen, un was verdregget äm Hoorsail. Aeis no viäl Maihe un Dunerwiärsgraie endlech, därt't en Kitzken tippelere. Ais lanksam, dann fixer, un dann gans un gar nit mehr.  Alsäou weyer op de olle Hacke, bit in de Stadt op de äiste Stroote. Do begiegere mey ne feynen, vüörnehmen Hären. Seyne runden Backen wören blauträout un seyn Schnurbötken spitz, ärn Fahm vüör dr Notel. Wail hai liuter nigge Blicke no mey un meyner Last smait, sagte ich frey: »Här, ey sind siker ne Schlächter, käoupet mi't Oesken af!« Do lachere dai Här un brummere woat vüör sik, dät lurre ärre: »forte fortissimo.« Ik dachte, sölle »fots finanzimo« meinen? un raip iähme tau: »Aeis später, nit fots! «

Niu kam dai Här noge vüör mik met diän Woren: »Gestatten, mein Name ist von Witzlitz, Regierungsrat.« Ik stalt me mik uner Kasper Kalvermann vüer un bemiärkere me näou, däte mi doch meynen gräouten Irrtum vergäte. Denn meyn Kopp fehlere lichte, wänn de Puckel üwerlastet wör. Glünskend genk de Här widder. Diämno sind nit alle fetten Luie Schlächters, dachte ik, un genk äouk.

Op dr Riuherbrügge stönnen dräi junge, graine Bürskes met bunten Käppkes open Köppen. Se lachern un spitzern üwer mik un meyn Kälvken. Aeiner mainere: »Bat hiäret säoun Kalv gut giegen us!« Dai andere: »Dann sollt Ossen dumm seyn, un hey sittete doch et üäwerste!« Diäm Lesten, dai allem näou ne Siegel opdrücken woll, fäll ik int Woot: »Häww ey äouk all meynen Lichteknüppel sain, oder sall ek uch dr met moll tau uggem äigenen Geschrai verhelpen?« Mehr wollen dai Bürskes nit hören. Se genjen iäres Wiäges.

 In dr Oltstadt stönnen twäi Härens benain in witten Juppen. Sai harren beide gewiß'n halv Dutzend Trappen tüsker Hals un Boort un wören ümmet Läiw rund äm Krummbund. »Düt sind ower Schlächters un wännt biestet«, dachte ik, un bäourne meyn Kälvken an. »Och«, sägten sai, »met Kalvern könn me äougenblicklech de Strooten plostern.« Se wöllen mi ower doch ne häougen Präis van tain Mark gien, un mi später 't Geld schicken. Ik sagte: »Näi, ik konnt Ka1v driän, un kann ok 't Ge1d dr vüör driän. Giejen Kasse können se ower vüör twintig Mark et Kalv hewwen.« Do genk et klagen los üwer iähren schworen Beruf un schlechte Teyen. Mey wören bolle de Trähnen kuemen.

Diäm Kälvken wor de Teyt lank, un et bölkere harre, ärre de ölleste Iesel in Bräilen. Sachte gläit mi 't Stricksken düör de Hand, un eher ick et ahnere, biesert Kälvken im Galopp dr Stroote runner. Ick no, schnappere gewiß tain mol vergievens no me Stäte. Unnen am Linnenbiärge kam ne Tropp Schauljungens aerade ümme de Ecke.  Schwernicks, bat gaft et do ower ne Jagd! Doch nit gans lange, un de Desertör was infangen un innen rechten Hännen. Mey wören dai Jungens bolle mehr Last ärre Stütze, un diäm Gefangenen härren se schließlich 'n Küemel dräget, wänn ik sai nit afspäiset härre met diän Wooren: »Maket uch dünne, ik hewwe uch dicke!« Van allem läoupen genk'm Kälvken de Balg ärren Diudelsack beym Danze: »drob un drüwer«.  Nit lange, un iät saat weyer op meynem Puckel, un in langsamen, wissen Träien genjet dm laiwen, saiten Hiäme tau. Doch met Stiewel un Spuarn gäit kainer no me Hiemel un merrem Kalve opem Nacken kainer op Räousen van Amspreg int olle Testemänte. Op »Schaumiäkers Köppken« was meyne äiste Statziäoun.

Ik droigere mi'n Swäit af un band't Kalv faste annen Bäoum. Dann wor de Omesbuil ouapnoiset un ümmeschutt. 0 diusend! Drai dicke Büeters un ne ganse runte Mettewouast! Dät was ower Balsam vüör meynen Magen, dai seyt froih muarens nit stärket was! Gerade bo ek de Wouast strack trocken harre, kam Vaih-Abraham op mik an. Vey kännten us guet. Alle Wiäke koffte 'n Packen Hitkesfeller un ock maniget Kalv in usem Duoarpe. Kium harre mik gruißet, do gläit seyn Inträsse fots van mey opet Kalv üewer. Lange diuere de Handel nit, da wören ve äineg. Säß blanke Daler tallte mi Abraham in de Hand, un hai trock mettem Kälvken un met viel Hindernissen af. Un iek, licht ärrne Viuel, was in anderhalf Stunnen bey dr Mömmen, un vey fröggeren us beide üwer dät viele Geld un dät gräoute Glücke...

 

 

Die Gründung der »Flotten Kugel«

Veranstaltungen im Gasthof Müller-Hültefunken

In den 50-er und Anfang der 60-er Jahre veranstaltete der Männergesangverein »Cäcilia« mit der Karnevalsgesellschaft »Klakag« aus Arnsberg in der St. Hubertusschützenhalle Karnevalssitzungen mit großen Erfolgen.

Der Theatersaal der Schützenhalle war oft genug bis auf den letzten Platz besetzt, und die Zuschauer waren zufrieden mit den Darbietungen, welche neben den bekannten Arnsberger Akteuren von zum Teil namhaften Karnevalisten aus dem westfälischen Raum gestaltet wurden.

 

An den 3 Hauptkarnevalstagen, Samstag, Sonntag und Montag, wurden in diesen Jahren von dem Gesangverein »Cäcilia«, dem Gesangverein »Sängerlust«, dem TuS Sundern, dem Musikverein, der Kolpingsfamilie und dem Sauerländischen Gebirgsverein jeweils Karnevalsbälle veranstaltet.

Wie aus den Bildern hervorgeht, gestaltete man im Jahre 1953 im Gasthof Müller-Hültefunken eine Karnevalsfeier. Die Feier wurde getragen von dem neu gegründeten Kegelclub »Flotte Kugel«. Das Jahr 1953 muß als Gründungsdatum angesehen werden, da jetzt jährlich diese Veranstaltung im Gasthof Müller-Hültefunken stattfand. Als Akteure traten auf: Tinny Maassen, Werner Puppe, Josef Maassen und Bruno Severin.

Die Bilder zeigen den ersten Elferrat der »Flotten Kugel« mit Helmut Schröder als Präsident im Gasthof Müller-Hültefunken in den Jahren 1953 - 1957. Als Büttenredner erscheint . (im Bild rechts unten) der Vizepräsident Josef Maassen.


 

 

 

Der Umzug ins Kolpinghaus

mit »Halwe Heerens«, »Do legget se« und »Röhrkugel«

Die »Flotte Kugel« bereitete Ende 1957 den »Umzug« vom Gasthof Hültefunken zum neu erbauten Kolpinghaus vor. Der Saal bot mehr Platz für Zuhörer und Zuschauer als die Gaststätte Hültefunken. 14 Tage vor den eigentlichen Fastnachtstagen fand die erste Sitzung mit Damen in diesem neu errichteten Saal statt.

Zum Zuhörerkreis gesellten sich von nun ab die Kegelklubs »Röhrkugel«, »Do legget se« und »Halwe Heerens«.  Diese Kegelklubs stellten mit der »Flotten Kugel« auch den Elferrat unter der bewährten Leitung von Helmut Schröder als Präsident.

Die Schar der Akteure wurde durch Mitglieder der Kegelklubs wie Heinz Schulte, Hugo Falke, Franz Maassen, K.J. Pötter, Otto Schulte und Ferdi Thüsing erweitert. Zu den Vorgenannten kamen dann noch im Laufe der folgenden Jahre Rolf Köberlein, Berni Filz, Ferdi Spanke, Arnold Grote, Mia Klöckner, Hubert Klich, Roswita Störmann und Heinz Diedrich. Selbst die »Singende Acht« beteiligte sich einige Jahre und bereicherte mit ihren Auftritten das Programm.

Die »Flotte Kugel« -Sitzungen wurden immer beliebter, und die Akteure glänzten Jahr für Jahr mit neuen Einfällen. Die Ortspolitik und das Tagesgeschehen der Freiheit Sundem waren beliebte Themen der Büttenredner.  Der Drang zu einem noch größeren Saal mit Bühne (leider im Kolpinghaus nicht vorhanden) wurde größer.

Am 11. 2. 1961 war es schließlich der Hegering Sundem, der die »Flotte Kugel« zu einer großen Sitzung in den Theatersaal der St. Hubertusschützenhalle einlud. Das gesamte Programm wurde von der »Flotten Kugel« gestaltet.

Es folgten Veranstaltungen am 19. 1. 1963 mit der 2. Kompanie der Schützenbruderschaft St. Hubertus, Sundern, und am 16.2.1963 mit dem Brieftaubenverein » Glück ab«, Sundem.

Diese 3 großen gelungenen Veranstaltungen waren wohl auch der Grund, daß die Gesangvereine Cäcilia und Sängerlust, der TuS Sundem, der Musikverein Sundern, die Kolpingsfamilie Sundern und der Sauerländische Gebirgsverein in Zukunft mit der »Flotten Kugel« gemeinsam die Karnevalsfeiem durchführen wollten.

Zur ersten großen gemeinsamen Prunksitzung kam es am Kamevalssonntag 1963. Schon bald reichte diese eine Veranstaltung nicht mehr aus, und man entschloß sich, jährlich 2 große Fastnachtssitzungen durchzuführen.

Die WESTFALENPOST berichtete am 29.1.63 über die Fastnachtssitzung der 2. Kompanie:

Ein mitreißendes Programm begeisterte die Zuschauer. Der Karnevalsabend der 2. Schützenkompanie hatte einen durchschlagenden Erfolg, der von dem Elferrat »Flotte Kugel« unter Leitung des Präsidenten, Helmut Schröder, angekurbelt wurde, nachdem der Kompaniechef Franz Minner den »Ring« freigegeben hatte für das närrische Treiben.

Das Programm war so ausgezeichnet und rollte Schlag auf Schlag ab, daß man glaubte, es mit langgedienten, routinierten Karnevalisten zu tun zu haben. Sie holten sich in der Bütt alle stürmischen Beifall: Mia Klöckner, Heinz Diedrich, Josef Maassen, Ferdi Thüsing und Heinz Schulte, der einen Straßenzustandsbericht über die Sunderner Hauptstraße gab (Avenue mit der Molle in der Mitte), Karl-Josef Pötter und Arnold Grote. Großer Jubel herrschte auch, als Berni Filz und Heinz Schulte sowie Mechthild Müller ihre musikalischen Vorträge brachten, und ebenso stürmisch wurde Sunderns Tanzmariechen gefeiert.

Den Mitwirkenden sprach auch Pfarrer Ortwein, der eingangs herzlich begrüßt worden war, seine Anerkennung für die großartige Karnevalssitzung aus.

 

 

Veranstaltungen in der Schützenhalle

Der Kreis der Freunde wird immer größer...

Der Kreis der Freunde der »Flotten Kugel« wurde immer größer, und so reichte für diese so beliebte Sitzung der Kolpingssaal nicht mehr aus. Daher entschloß sich die »Flotte Kugel« im Jahre 1968, auch ihre internen Sitzungen für ihre Mitglieder im Theatersaal der St. Hubertusschützenhalle durchzuführen.

Über die Veranstaltung von 1974 las man in der Tageszeitung:

Auch kurzfristig angekündigte Prominenz aus Arnsberg brachte Regisseur und »Chef des Protokolls« Heinz Schulte nicht aus der Fassung. Er bereicherte seine Rede kurzerhand um einige Knüller aus der Kreispolitik und erwähnte u. a. Bürgermeister Fabri und das »Kreiswasser«.

Daß es nicht nur Oper sein muß, bewies die gut kostümierte »Sängerlust«. Dirigent Karl Roosen hatte ausgiebig Gelegenheit, sein musikalisches wie mimisches Talent zu zeigen. Die Sänger konnten sich durchaus auch Heino als Bundespräsident vorstellen, der Finanzminister spielte »Profitorgel«, Bürgermeister Tigges an der Drehorgel zu den Klängen von »Tochter Zion«. In Richtung SPD hieß es: »Willy, Du bist wunderbar, ohne Wehner, Jusos und den Bahr. «

Seit dem großen Galaabend der »Flotten Kugel« weiß die Menschheit nun auch, dank Elferratsmitglied Franz-Josef Tigges, was das Wort Landrat bedeutet. »Wenn man sich einen guten Rat holen will, dann zieht er sich aufs Land zurück« Neben OKD Dr. Cronau begrüßte er nämlich vier Landräte: Einen von Arnsberg (Rolf Füllgräbe), einen aus Meschede (Otto Entrup MdB), einen stellvertretenden (Meinolf Mertens MdL) und einen verflossenen (Ferdi Tillmann MdB). Auf den Witz vom Ochsenkopf verzichtete Tigges diesmal, beschrieb aber die ungeahnten Möglichkeiten, in Arnsberg Ruinenfeste zu feiern, wenn der Kreis und die Regierung aus Arnsberg abgezogen würden.

Die Büttenredner waren in diesem Jahr in Sundern bestens in Form. Ob Monika Kückelheim, die Erstaunliches über ihren Papa zu berichten wußte, oder Hugo Falke, der als Tankwart bei Ehrensenator Egon Hengesbach angefangen hat. Arnold Grote im Schottenrock - »Endlich sieht man meine Waden« begeisterte ebenso wie Franz Maassen mit seinem »Kneipenbummel durch Sundem«. Franz-Josef Hammecke und K.-J. Pötter erzählten von der »Klagemauer« bei Bode.

Auch Musik und Tanz kamen nicht zu kurz. Musikverein, »Vier Dötze«, Jodlerin, Albert Kaiser als Seemann, Ballett (Einstudierung Frau Sander) und die »Concordios« brachten das Karnevalsvolk in Schwung. Die Werbeagentur .»Angst & Bange« mit Elmar Reuter als »Herr Bange« und »Telefonfräulein Twiggy« (Heiner Löhr) strapazierten die Lachmuskeln aufs Äußerste. Ihr publikumswirksamster Reklameslogan: »Thüsings Sägemehl in Socken hält den größten Schweißfuß trocken.« Als Kinderprinzenpaar wurden von Präsident Helmut Schröder Monika Blome und Bernd Beilmann vorgestellt.

Es lohnt sich, die nächsten Sitzungen der »Flotten Kugel« am 16.2. oder 23.2. zu besuchen. Auch der Kinderkarnevalszug, am 24.2., an dem sich u. a. die Hüstener »Concordia« mit drei Wagen beteiligt, läßt allerhand erwarten. (WP 5.2.74)

 

 

Die Karnevalszüge

Sunderns Schulen machen mit

Zum ersten Male nach dem 2. Weltkrieg wurde 1968 auch wieder ein Karnevalszug veranstaltet. Sunderns Schulen übernahmen mit der »Flotten Kugel« die Organisation dieses Kinderkarnevalszuges, der von nun ab wieder jedes Jahr am Karnevalssonntag durch Sundems Straßen zieht.

Aus kleinsten Anfängen ist Sunderns Kinderkarnevalszug heute zum Höhepunkt der Fastnachtstage geworden.  Tausende von Zuschauern bewundern die immer wieder neuen Ideen der Wagenbauer und Fußtruppen. Die Vereine Sunderns, die Schulen und alle Ortsteile der neuen Stadt Sundern sind seit Jahren mit ihren Musikkapellen, Tambourkorps, Wagen und Fußtruppen beteiligt.

Über den Karnevalszug 1975 konnte man in der Zeitung lesen:

Längst bevor sich gestern Mittag hoch oben an Sunderns Ewigem Weg die Spitze des langen Kinderkarnevalszuges in Bewegung setzte, heizten an der Hauptstraße Lautsprecher aus Kneipenfenstern, von Litfaßsäulen und aus Radiogeschäften die ausgelassene Stimmung an. Und mit zunehmendem Schnaps und Bierangebot schwoll auch die Lautstärke beim »Humba-tätärä « und »Rucki-zucki« immer mehr an.

Dann rollte sie heran, die »Riesenschlange prallvoller Lebensfreude« mit genau 31 Wagen, vielen Fußgruppen, zahllosen bunt verkleideten Kindern, mehr als einem Dutzend Musikkapellen und jenen ulkigen Einzelakteuren, die in einem Narrenzug »Das Salz an der Suppe « sind.

Der rund zwei Stunden lang, bei strahlendem Sonnenschein, an Tausenden von »Sehleuten« vorbeidefilierende Karnevalszug von Sundern lebte in diesem Jahr fast ausschließlich von lokalen Dingen. Einen Fingerzeig auf die »große Welt« gab lediglich der SGV-Wagen »Deutschlands Ausverkauf« mit dem mercedesstemgreifenden Riesenscheich.

Die wieder eifrig mitmachenden Dörfer um Sundern hatten so ihre Not oder auch diebischen Spaß mit der Neugliederung: Da lieferte Stemel Kraftfutter an die noch etwas geburtsschwache neue Stadt; Kolping und Werbegemeinschaft sahen schon alle Gemeinden unter einem Hut; Langscheid zeigte, daß Groß-Sundern mit ihrem Luftkurort unter der richtigen Flagge segelt, und ein bäumeschluckendes Ungeheuer mit umgehängtem schlaffen Stadtsäckel machte deutlich, wo künftig Hagens prächtiger Gemeindewald bleibt.

Die Sportler spießten mit einem Käfigwagen die in Sundern zu zahlreich gewordenen Einbrüche auf, und ergänzend dazu wischte eine Stammtischrunde auch gleich den Ermittelnden eins aus. Für viel Scharm im Zug sorgten verschiedene Wagen von Frauengruppen und das krönende Prunkgefährt der »Flotten Kugel« mit dem Kinderprinzenpaar Gudrun Pöhler und Josef Rickert und den sie umgebenden quicklebendigen Gardemädchen, die nicht müde wurden, das unüberschaubare närrische Volk mit Kußhändchen und Bonbons zu füttern. (WP 10.2.75)

Vom Zug 1977 berichtete die Zeitung:

Aus allen Nähten platzte Sundern Sonntag beim zehnten Umzug der »Flotten Kugel«. Schon eine Stunde vor Abmarsch der 61 »närrischen Einheiten« von der Papierfabrik mußte die Polizei die gesamte Innenstadt sperren. Bei der Riesen-Invasion von 30000 feierfreudigen Menschen war da mit Autos ohnehin kein Durchkommen mehr. Alle Sunderner Vereine und Schulen trugen wieder mit vielen Wagen und Fußgruppen zum prächtigen Gelingen des Zuges bei. Noch stärker als in den Jahren zuvor drängten auch die umliegenden Dörfer zu dem lustigen Marsch durch die »Hauptstadt«: Westenfeld kam mit drei Wagen, Kindergruppe und Musikkapelle, ebenso stark war das ferne Hövel vertreten, Amecke trat gleich mit vier Wagen und Fußgruppen an, auch Langscheid, Stockum, Endorf und Stemel kamen mit »Doppelbesetzung«. Das alles völlig reibungslos ablief, ist sicher starkes Verdienst von Feuerwehr, Rotem Kreuz, Polizei und vielen anderen uneigennützigen Ordnungskräften. (WP 22.2.77)

 

 

Die Schlüsselübergabe im Rathaus

»Flotte Kugel« übernimmt Regierungsgewalt

Bürgermeister Dr. Elmar Brands (+), Ehrensenatorder Gesellschaft, führte 1969 die »Schlüssel-Übergabe« am Lütkefastnachtstag ein, welche von seinem Nachfolger Bürgermeister Franz-Josef Tigges übernommen und gefördert worden ist. 

Von der Schlüsselübergabe 1977 las man:

Fest in der Hand der Narren ist seit gestern alle Macht in der Stadt Sundern. Nach einer Ratssitzung »im Sauseschritt« stürmten die Karnevalisten der »Flotten Kugel« das Rathaus und übernahmen mit einem Riesenschlüssel symbolisch die Regierungsgewalt.

Der »Flachs« blühte, als Bürgermeister Franz-Josef Tigges, assistiert von den Schlüsselgeistern Hubert Schulte-Rosier und Alo Schulte, das messingglänzende Schmuckstück dem Sitzungspräsidenten Helmut Schröder überreichte und den Karnvalisten zum ersten Male den kompletten Rat und die Verwaltung vorstellte: Das ging vom neuen Hausmeister bis zur einzigen Frau im Rat, von Ferdi Thüsing bei den Stadtwerken bis zu »seinem Mitarbeiter Helmut Wortmann.«

Zwischen Schunkelliedchen zu flotter Musik reichten unbekannte karnevalistische Talente einen spritzigen Geistesblitz an den anderen.  Den Vogel schoß der sonst eher trocken wirkende Josef Plassmann aus Hellefeld mit seiner »Maxime eines Eiermänns « ab. (einschlägige Bemerkungen waren im Rat vorausgegangen.) Er wußte, was Meinkenbracht als »Sundern 6« mit Sex zu tun hat: »Die Bauern melken früh um sechs ihre Kühe« - und die Verwaltung: »Da trifft man abends um sechs keinen mehr bei der Arbeit an. «Ein anderes Bonmot: »Wo ein Willeke ist, da ist auch ein Weg, und wo ein Willi (Vogt) ist, da ist  bald auch. eine , Grünanlage.« Oder: Der Straßenname »Kohlecke« liegt der SPD ja schwer im Magen. Sollte mich nicht wundern, wenn die eines Tages den »Brandhagen« in »Schmidthagen« umtaufen wollen. »Wir werden uns schon weiter durcheiern«, schloß er hoffnungsvoll versöhnlich ab. (WP 12.2.77)

 

 

Die Altentage in der Karnevalszeit

Begeisterung bei den älteren Bürgern

Bürgermeister Franz-Josef Tigges war es, der die »Flotte Kugel« Anfang der 70er Jahre auch für die Programmgestaltung zum »Tag der älteren Bürger« begeisterte. Heute freuen sich nahezu alle älteren Bürger Sundern auf diese jährliche Veranstaltung in der Woche vor Fastnacht mit der »Flotten Kugel«. In der Zeitung konnte man 1977 lesen:

In prächtiger Stimmung feierten Sunderns ältere Bürger am Mittwoch mit der »Flotten Kugel«, ihrem Sitzungspräsidenten Helmut Schröder und dem Elferrat einen zündenden Karnevalsnachmittag. Mit 630 Teilnehmern, ohne die vielen Akteure, war der Theatersaal der Hubertushalle bis auf den letzten Platz besetzt.

Bürgermeister Franz-Josef Tigges erläuterte den Senioren die wichtigsten Vorhaben der Stadt und ehrte Frau Heidenreich, mit 90 Jahren die älteste Teilnehmerin am Altentag.  Als er Franz Biggeleben (87) als dem vermeintlich ältesten männlichen Teilnehmer ein Präsent überreichte, kam gerade Wilhelm Kunde von einem stillen Örtchen zurück und verkündete unter dem Beifall des ganzen Saales: »Näi, sui, Franz, iek sey näu eyn Johr öller. « Natürlich hatte der Bürgermeister für eine solche Überraschung noch ein Geschenk in der Hinterhand.

Zu einem flotten Klatschmarsch des Sunderner Musikvereins zog dann das Sunderner Kinderprinzenpaar mit seinem langen Gefolge ein, und gleich legten die vielen Akteure der »Flotten Kugel« mit ihrem bunten Programm los. Die mehrstündige Schau reichte von Kaiser Wilhelms Pickelhaubenpolizisten, über den zünftigen Jodlerbuben und die »Tiroler Holzhackerbuam« bis zu den gekonnten Darbietungen der »Vier Dötze« und des alten Dorfschulmeisters »Wiemelken«. Besonders beklatscht wurden auch die reizenden Tänze des Kinder- und »FlotteKugel-Balletts« und die ulkige Nummer der Hula-Hula-Tänzerinnen mit Ferdi Thüsing als »Seerosenfee«. Den Höhepunkt des Abends bescherte Schwester Oberin Josefine den Sunderner Altbürgem mit dem Meisterballett aus ihrem Heimatdorf Uckerath. (WP 18.2.7 7)

 

 

Der BWK-Kongress in Sundern

Anlässlich der BWK-Jahreshauptversammlung im Jahre 1981 verfasste Dr. Hubert Schmidt einen Artikel der sehr schön das närrische Treiben in und um Sundern beschreibt:

Karneval in Sundern

von Dr. Hubert Schmidt

Vom 11. - 13.  September 1981 richtet die Karnevalsgesellschaft »Flotte Kugel« Sundern die BWK-Jahreshauptversammlung mit Kongreß aus. Dies ist sicherlich ein Grund, einen kurzen Blick auf die Geschichte des karnevalistischen Brauchtums in Sundern und die Bedeutung der »KG Flotte Kugel« zu werfen.

Sundern lag bis zur Napoleonischen Zeit im Kurkölnischen Herzogtum Westfalen (im Kurkölnischen Sauerland), und so trifft sicherlich zu, was schon 1803 geschrieben wurde: »Das Fastnachtsfest ist für die Westfälinger ein wahres Nationalfest, welches 3 Tage mit ausgelassener Freude gefeiert wird.  Man ißt Fastnachtskuchen, trinkt Wein, tanzt und spielt.  Dieses dauert dann bis zum Aschermittwoch, wo man nach der kirchlichen Zeremonie des Aschenempfangs nach Hause geht und das Fest mit Genusse eines warmen, mit Butter eingeschmierten Weizenbrotes beschließt.«

Im 19. Jahrhundert wurde nach der Gründung einzelner Vereine (Gesangverein, Turnverein) in Sundern die Pflege karnevalistischen Brauchtums von diesen übernommen.  Die älteste, bisher bekannte Nachricht stammt aus dem Jahre 1891, als der Turnverein »Sauerlandia« für Fastnachtmontag, nachmittags 4 Uhr, einen »Umzug mit Musik« ankündigte.

Ein »Narrenklub Sundern«, erscheint erstmals 1914 als Herausgeber der »Sunderaner Erbsen-, Speck- und Grautebauhnen-Zeitung«, die auch das Programm des Faschingszuges am 24.  Februar 1914 enthielt.

Erwähnenswert im Rahmen der Karnevalstätigkeit der Sunderaner Vereine ist gleichfalls die »Fastlowends Teydung vüör use Gäste un Gesellen« von 1928, die der Gesellenverein (Kolpingfamilie) herausgegeben hat.

Ein Höhepunkt im Sunderner Karneval war das Jahr 1935: Es erschien das »Käseblaat«, ein »Ländliches Organ für das gesamte Röhrtal«; ferner wurde am Fastnachtsdienstag ein vielbeachteter Umzug gestaltet.

Im Jahre 1953 bildete sich im Gasthof Müller-Hültefunken aus einem Stammtisch und einem Kegelklub eine Gruppe von Männern, die gemeinsam Karneval feiern wollten. Nach begeisternden Büttenreden und Vorträgen wurde sofort die Gründung einer Gesellschaft erwogen und vollzogen.  Als Name für diese Vereinigung übernahm man den des Kegelklubs »Flotte Kugel«, mit dem heute noch amtierenden Präsidenten Helmut Schröder an der Spitze.

Aus kleinsten Anfängen heraus wuchs die Teilnehmerzahl der Sitzungen so stark an, daß man von Gasthof Müller Hültefunken (1953 - 1956) und dem Saal des Kolpinghauses (ca. 180 Plätze) 1968 in den Saal der St.-Hubertus Schützenhalle (ca. 600 Plätze) umziehen mußte.  Seitdem bildet der Abend für Mitglieder einen Höhepunkt der Sunderner Fastnacht. Zwei zusätzliche Großveranstaltungen gehören ebenfalls zum festen Programm.

Bürgermeister Dr. Elmar Brands(+) und Ehrensenator der Gesellschaft führte 1969 die »Schlüsselübergabe«, am »Lütke-Fastnachtstag« ein, welche von seinem Nachfolger Bürgermeister Franz-Josef Tigges übernommen und gefördert wurde.

Von der Übergabe 1977 las man: »Fest in der Hand der Narren ist seit gestern alle Macht in der Stadt Sundern.  Nach einer Ratssitzung im Sauseschritt stürmten die Karnevalisten der »Flotten Kugel«, das Rathaus und übernahmen mit einem Riesenschlüssel symbolisch die Regierungsgewalt ... «

Wie der Karnevalszug, so haben auch die Sitzungen der »Flotten Kugel«, immer mehr an Größe und Format zugenommen. Neue Gruppen und Akteure gesellten sich zu den altbewährten Programmgestaltern. 1969 entstand die Tanzgarde und gleichzeitig gründete ein Kreis junger Leute die »Glorreiche Neun«.  So ist heute ein Sitzungsprogramm der »Flotten Kugel« ohne die zahlreichen Akteure, die alle ohne Gage auftreten, nicht denkbar.

Zur ständigen Einrichtung gehört seit 1975 auch die Kindersitzung »Lütke-Fastnacht«, in der jeweils ein Programm abrollt, das von den Kindern der Sunderner Schulen gestaltet wird.

Bürgermeister Franz-Josef Tigges war es, der die »Flotte Kugel« Anfang der 70er Jahre auch für die Programmgestaltung zum »Tag der älteren Bürger« gewinnen konnte, eine zusätzliche Aufgabe, die die KG gerne übernahm. Heute freuen sich unsere älteren Mitbürger schon Wochen voraus auf diese jährliche Veranstaltung mit der »Flotten Kugel«. 1977 las man in der Zeitung: »In prächtiger Stimmung feierten Sunderns ältere Bürger am Mittwoch mit der »Flotten Kugel«, ihrem Präsidenten Helmut Schröder und dem Eiferrat, einen zündenden Karnevalsnachmittag.  Mit 630 Teilnehmern, ohne die vielen Akteure, war der Theatersaal der St.-Hubertushalle bis auf den letzten Platz besetzt.«

Zum ersten Male nach dem 2.Weltkrieg wurde 1968 auch wieder ein Karnevalszug veranstaltet.  Sunderns Schulen übernahmen mit der »Flotten Kugel« die Organisation dieses Kinderkarnevalszuges, der von nun ab wieder jedes Jahr am Karnevalssonntag durch Sunderns Straßen zieht.  Aus kleinsten Anfängen ist Sunderns Karnevalszug heute zum Höhepunkt der Fastnachtstage geworden.  Zehntausende von Zuschauern bewundern die immer wieder neuen Ideen der Wagenbauer und Fußgruppen. Die Vereine Sunderns, die Schulen und alle eingemeindeten Ortsteile der »Neuen« Stadt Sundern sind seit Jahren mit ihren Fußgruppen beteiligt.  Die Zugleitung der »Flotten Kugel« sorgt gemeinsam mit der Freiw.  Feuerwehr und dem Roten Kreuz für einen reibungslosen Ablauf. 1981 waren 68 Wagen und Fußgruppen, darunter 15 Musikkapellen beteiligt.

Die Zusammenarbeit zwischen den Sunderner Vereinen ist ausgezeichnet. Dieses zeigt sich darin, daß jedes Jahr ein anderer Verein das Kinderprinzenpaar stellt.

Seit 1966 wählt die »Flotte Kugel« jährlich einen oder mehrere Ehrensenatoren. Hierbei handelt es sich um Damen und Herren, die sich besonders verdient gemacht haben.

Zwei spezielle Höhepunkte in der Geschichte der Karnevalsgesellschaft bildeten im Jahre 1977 die Aufnahme im »Bund Westfälischer Karneval« im »Bund Deutscher Karneval«, sowie 1978 das 25-jährige Bestehen der »Flotten Kugel.«